Ensuring fair access to Insurance and Financial Services for Seniors
Ensuring fair access to Insurance and Financial Services for Seniors
FECIF editorial by Michael Herzhofer, AFPA Chairman
Das gesamte Editorial – auf Englisch – finden Sie unten als PDF anbei.
Hier folgt nun die deutsche Übersetzung:
Sicherstellung eines fairen Zugangs zu Versicherungs- und Finanzdienstleistungen für Seniorinnen und Senioren
von Michael Herzhofer, Vorsitzender der AFPA
Mit dem Älterwerden unserer Gesellschaft stehen wir vor einer entscheidenden Herausforderung: Wir müssen sicherstellen, dass die Systeme, die wir aufbauen, inklusiv und unterstützend für alle Bürgerinnen und Bürger sind – insbesondere für jene, die ein Leben lang zum Wohlstand unseres Landes beigetragen haben. In Österreich ist der demografische Wandel unübersehbar. Bis 2035 wird mehr als ein Viertel der Bevölkerung über 65 Jahre alt sein.
Als Verband der unabhängigen Finanz- und Versicherungsdienstleister Österreichs sah sich die AFPA in der Verantwortung, über Annahmen hinauszugehen und konkrete Fakten zur finanziellen Lage unserer älteren Mitbürger zu erheben.
Daher haben wir eine umfassende, landesweite Studie in Auftrag gegeben, um die Realität für Österreicherinnen und Österreicher ab 55 Jahren beim Zugang zu Versicherungs- und Finanzdienstleistungen besser zu verstehen. Die Ergebnisse sind nicht nur aufschlussreich – sie sind ein deutlicher Appell an unsere gesamte Branche und an die politischen Entscheidungsträger unseres Landes. Die Botschaft ist klar: Wir versagen darin, einen wachsenden und wichtigen Teil unserer Bevölkerung angemessen zu bedienen. Es ist höchste Zeit, dass wir handeln und unseren Kurs korrigieren.
Unsere Untersuchung zeigt eine erhebliche und besorgniserregende „Versorgungslücke“. Während die Österreicher sehr gewissenhaft ihr Eigentum absichern – über 91 % besitzen eine Haushaltsversicherung – besteht ein dramatischer Mangel an persönlicher Absicherung. Dabei sind es gerade diese Versicherungen, die im späteren Leben für Sicherheit sorgen.
Ein Blick auf die Zahlen:
- Nur 3,4 % der Befragten verfügen über eine Pflegeversicherung.
- Nur 32 % haben eine private Krankenversicherung.
- Lediglich 23 % haben eine Bestattungsvorsorge abgeschlossen.
Dies liegt nicht an mangelnder Weitsicht unserer Seniorinnen und Senioren. Im Gegenteil: Unsere Studie zeigt ein hohes Interesse an genau diesen Absicherungsformen. Die Lücke entsteht durch einen Markt, der als unzugänglich und wenig einladend wahrgenommen wird. Ganze 74,4 % der Befragten sind der Meinung, dass die ihnen angebotenen Versicherungen entweder ungeeignet oder schlicht zu teuer sind.
Noch besorgniserregender ist das weitverbreitete Gefühl der Diskriminierung. 70,6 % – also mehr als zwei Drittel der Befragten – glauben, dass sie von Versicherungsunternehmen allein aufgrund ihres Alters benachteiligt werden. Das ist inakzeptabel. Alter sollte ein Zeichen von Erfahrung sein – nicht ein Hindernis für finanzielle Sicherheit.
Die Herausforderungen reichen tief in den Bereich der Finanzierung. Denn der Bedarf an Krediten verschwindet nicht mit dem Eintritt in den Ruhestand. Unsere Studie zeigt, dass der Hauptgrund für die Kreditaufnahme im Alter Immobilien sind – etwa die altersgerechte Renovierung oder der Kauf einer geeigneteren Wohnung. Doch auch hier stoßen Seniorinnen und Senioren auf massive Hürden.
Die Wahrnehmung von Benachteiligung ist im Kreditbereich sogar noch ausgeprägter als bei Versicherungen. 84,2 % der Befragten fühlen sich bei der Kreditvergabe aufgrund ihres Alters benachteiligt. Sie bekommen zu hören, sie seien „zu alt“ für einen Kredit – unabhängig von ihrer tatsächlichen Bonität oder finanziellen Stabilität. Diese Praxis verweigert nicht nur die Möglichkeit, die Lebenssituation anzupassen, sondern hemmt auch wirtschaftliche Aktivität und persönliche Selbstbestimmung.
Angesichts dieser systemischen Hürden bestätigt unsere Studie eine zeitlose Wahrheit: den großen Wert von persönlicher Beratung. In einer Ära der aggressiven Digitalisierung senden unsere Seniorinnen und Senioren eine klare Botschaft: 81,5 % bevorzugen persönliche Beratung bei Finanzfragen gegenüber eigener Recherche. Sie erkennen die Risiken, sich allein in einem komplexen Markt zurechtzufinden – 76,5 % befürchten, online ein ungeeignetes Produkt zu wählen.
Das unterstreicht die zentrale Rolle der AFPA-Mitglieder – der unabhängigen Berater, die in ganz Österreich individuelle und persönliche Beratung anbieten. Doch ihre Fähigkeit, diesen wichtigen Service zu leisten, wird durch eine immer weiter zunehmende Bürokratie massiv eingeschränkt. Unsere Analyse zeigt: Ein Berater benötigt 8 Stunden und 36 Minuten, um ein Versicherungsangebot zu bearbeiten – und 11 Stunden und 18 Minuten für eine Kreditanfrage. Ein Großteil dieser Zeit entfällt auf administrative Pflichten, die wertvolle Beratungszeit rauben.
Daher richtet die AFPA folgenden Appell:
1. An die Versicherungs- und Bankenbranche:
Es ist Zeit für Innovation. Wir brauchen Produkte, die wirklich für den Seniorenmarkt konzipiert sind – flexibel, fair bepreist und zugänglich. Wir müssen über veraltete Risikomodelle hinausgehen, die Alter bestrafen, und stattdessen die tatsächliche finanzielle Situation der Menschen bewerten.
2. An die politischen Entscheidungsträger:
Schaffen Sie ein regulatorisches Umfeld, das den Zugang zu Finanzberatung fördert statt behindert. Die übermäßige Bürokratie muss dringend abgebaut werden – sie belastet Berater und schadet den Konsumenten. Eine ausgewogene Regulierung ist der beste Verbraucherschutz. Und: Unterstützen Sie private und betriebliche Vorsorgemodelle durch steuerliche Anreize und moderne Finanzierungsformen.
3. An unsere Mitglieder:
Ihre Rolle war noch nie so wichtig wie heute. Das Vertrauen, das Sie zu Ihren Kundinnen und Kunden aufbauen, ist das Fundament finanzieller Sicherheit in unseren Gemeinden. Die AFPA wird sich weiterhin mit Nachdruck für Ihre Anliegen einsetzen und für ein System kämpfen, das Ihnen erlaubt, das zu tun, was Sie am besten können: wertvolle Beratung für die Menschen in Österreich.
Die Ergebnisse unserer Studie sind keine Anklage, sondern ein Wegweiser. Sie zeigen den Weg zu einem gerechteren und funktionierenden Finanzmarkt – einem Markt, der unseren Seniorinnen und Senioren die Würde und Sicherheit bietet, die sie sich verdient haben. Lassen Sie uns gemeinsam daran arbeiten.
Als Makler ist es mir wichtig, Menschen gegen existenzielle Risiken abzusichern. Ich sehe mich als Begleiter unserer Kundinnen und Kunden, die wir je nach Lebenssituation umfassend beraten und mit den passenden Produkten und Dienstleistungen versorgen. Warum sollte das nicht mehr möglich sein, nur weil jemand eine willkürliche Altersgrenze überschritten hat? Ich hoffe sehr, dass Politik und Wirtschaft hier bald umdenken!
Als Vorsitzender der AFPA kritisiere ich nicht nur die altersbedingte Diskriminierung, sondern möchte auch die wirtschaftliche Dimension hervorheben. Die von uns vertretenen unabhängigen Finanzberater und Versicherungsvermittler wollen nicht nur eine sozial wichtige Rolle erfüllen (umfassende Beratung und Absicherung), sondern auch Marktchancen nutzen. Und davon gibt es derzeit viele.
Unser Ziel ist eine Win-Win-Win-Situation:
- Solide Absicherung für ältere Menschen
- Lösung einer gesellschaftlichen Herausforderung
- Bessere Marktchancen für Berater und Vermittler
Das bedeutet: Um sicherzustellen, dass Konsumentinnen und Konsumenten auch künftig Zugang zu unabhängiger Versicherungs- und Finanzberatung haben, beteiligt sich die AFPA aktiv an der Gestaltung der Regulierung der europäischen und österreichischen Finanzmärkte. Ein gut funktionierender Finanz- und Versicherungsmarkt ist nicht nur die Grundlage für eine erfolgreiche Zukunft – er ist letztlich die beste Form des Verbraucherschutzes.
Abschließend: Die in Österreich dokumentierten Probleme bestehen in allen Mitgliedsländern der FECIF – als Folge der demografischen Entwicklungen in Europa.
Michael Herzhofer, BA MA
Vorsitzender der AFPA und Geschäftsführer der Secura Gruppe
Mehr über die AFPA erfahren Sie auf der offiziellen Website der AFPA hier…
Den Flyer zur Ökosystem-Studie finden Sie UNTEN ANBEI auf Deutsch und Englisch.
Fecif_Editorial_Michael Herzhofer_Ensuring fair access to insurance and financial services for seniors
AFPA_Folder_Senioren-Diskriminierung_WEB_Deutsch
AFPA_Folder_Senioren-Diskriminierung_DinA4_EN_mar2025_WEB
Fecif_Editorial_Senioren-Benachteiligung in Österreich_Michael Herzhofer_Sept. 25