Die Rolle von Finanzbildung und Beratung: Wichtigste Erkenntnisse aus der FECIF-Veranstaltung

Veröffentlicht am Montag, 01. Juni 2026, 09:47

Fecif veranstaltete in Brüssel eine Veranstaltung mit dem Titel „Financial Advice for Europe’s Future: Empowering Citizens to Save, Invest and Retire“.
Dabei kamen Vertreter der EU-Institutionen und wichtige Branchenakteure zusammen, um zu diskutieren, wie die Beteiligung an den Kapitalmärkten gestärkt werden kann.

Zentrale Erkenntnis? Finanzberatung ist entscheidend, um Ersparnisse in langfristige Investitionen umzuwandeln.

Eine Zusammenfassung der wichtigsten Aussagen und einen Link zur Video-Aufzeichnung finden Sie unten anbei.

Zu Beginn der Veranstaltung betonte die FECIF-Vorsitzende Vania Franceschelli die wachsende Bedeutung der Finanzberatung im heutigen Umfeld:

„Finanzberatung ist nicht nur eine Dienstleistung. Sie ist ein zentraler Treiber wirtschaftlicher Teilhabe.“

Die von FECIF-Generalsekretär Simon Colboc moderierte Podiumsdiskussion brachte folgende Teilnehmer zusammen:
Andrea Liesenfeld (Europäische Kommission, Leiterin der Einheit FISMA.B.3),
William Vidonja (Leiter „Conduct of Business“, Insurance Europe),
Jacopo Borgognone (Leiter Kapitalmärkte, Europäische Bankenföderation),
Andreas Stepnitzka (Stellvertretender Direktor Regulierungspolitik, EFAMA),
und Josep Soler Albertí (Geschäftsführer, EFPA Spanien).

Vom Sparen zum Investieren

Ein zentrales Thema der Diskussion war die Diskrepanz zwischen der starken Sparbasis Europas und der begrenzten Teilnahme an Investitionen.

Europäische Haushalte verfügen über erhebliche finanzielle Vermögenswerte, jedoch verbleibt ein großer Teil davon in risikoarmen, kurzfristigen Anlagen, anstatt in langfristige Investments zu fließen.
Diese Kluft ist nicht nur eine Frage des Marktzugangs, sondern betrifft vor allem Vertrauen, Verständnis und Entscheidungsfindung.

Finanzberatung als Motor der Beteiligung

Im Panel bestand Einigkeit in einem Punkt:
Finanzberatung spielt eine entscheidende Rolle dabei, Ersparnisse in Investitionen umzuwandeln.

Wie während der Diskussion hervorgehoben:

„Finanzberatung ist nicht nur eine Dienstleistung. Sie ist ein zentraler Treiber wirtschaftlicher Teilhabe.“

William Vidonja betonte die praktische Herausforderung im Kern der Debatte:
Menschen sparen zwar, doch das ist nur ein Teil der Gleichung. Die eigentliche Frage ist, wie sichergestellt werden kann, dass ein Teil dieser Ersparnisse so investiert wird, dass sowohl individuelle finanzielle Ziele als auch das gesamtwirtschaftliche Wachstum unterstützt werden.

Er verwies zudem auf den konkreten Nutzen von Beratung:
Menschen, die professionelle Beratung erhalten,

  • bauen in der Regel mehr Vermögen auf,
  • bereiten sich besser auf den Ruhestand vor
  • und fühlen sich sicherer in Bezug auf ihre finanzielle Zukunft.

Vom Befund zum Handeln

Obwohl weitgehende Einigkeit über die Herausforderungen bestand, wurde mehrfach betont, dass die Umsetzung in konkrete Maßnahmen schwierig bleibt.

Josep Soler Albertí formulierte es treffend:

„Wir sind der Kontinent des Konsenses über die Diagnose, aber nicht über die Lösungen.“

Er wies zudem auf ein strukturelles Problem hin:
Es ist schwierig, Bürger vom Sparen zum Investieren zu bewegen, wenn die öffentliche Kommunikation zur Nachhaltigkeit der Rentensysteme begrenzt bleibt.
Ohne klare politische Signale fällt diese Aufgabe weitgehend Beratern und der Branche zu.

Die Rolle von Finanzbildung und Beratung

Finanzbildung wurde allgemein als Teil der Lösung anerkannt.
Andrea Liesenfeld betonte, dass es keine Einzellösung gebe und dass Finanzbildung, ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis und Zugang zu Beratung zusammenwirken müssen, um die Beteiligung von Anlegern zu stärken.

Gleichzeitig wurde deutlich, dass Bildung allein nicht ausreicht.
Nicht jeder wird zum Investmentexperten – und das muss auch nicht sein.

Hier kommt die Finanzberatung ins Spiel:
Sie überbrückt die Lücke zwischen Information und Handlung und hilft Menschen, Entscheidungen zu treffen, die zu ihren langfristigen Bedürfnissen passen.

Technologie: Chancen und Grenzen

Die Diskussion befasste sich auch mit dem wachsenden Einfluss digitaler Tools und künstlicher Intelligenz.

Technologie erweitert den Zugang und verändert, wie Menschen mit Finanzprodukten umgehen. Gleichzeitig entstehen neue Herausforderungen:
Immer mehr Verbraucher nutzen digitale Tools als vermeintliche Finanzberatung, auch wenn diese außerhalb regulatorischer Rahmen funktionieren.

Es zeichnet sich ein hybrides Modell ab:
Viele beginnen ihre Reise online, greifen jedoch bei komplexeren oder wichtigeren Entscheidungen weiterhin auf menschliche Interaktion und professionelle Beratung zurück.

Eine breitere wirtschaftliche Perspektive

Über das individuelle Verhalten hinaus wurde auch auf eine größere wirtschaftliche Herausforderung hingewiesen.

Wie Jacopo Borgognone erklärte, liegt das Kernproblem in der Vermögensallokation:
Ein großer Teil der europäischen Ersparnisse ist weiterhin in risikoarmen Anlagen gebunden, obwohl er besser für langfristige Investitionen genutzt werden könnte.

Europa mangelt es nicht an Ersparnissen.
Die Herausforderung besteht darin, diese Mittel so zu mobilisieren, dass sie langfristiges Wachstum, Innovation und die Finanzierung wichtiger Transformationen unterstützen.

Dabei spielt Finanzberatung eine zentrale Rolle, indem sie Menschen hilft,

  • Komplexität zu verstehen
  • und fundierte Entscheidungen zu treffen.

Gemeinsames Fazit

Die Veranstaltung bestätigte ein gemeinsames Verständnis unter den Teilnehmern:
Um Europas Investitionspotenzial zu erschließen, reicht es nicht aus, den Zugang zu Märkten zu öffnen.
Es braucht Vertrauen, Orientierung und ein System, das politische Ziele in tatsächliche Entscheidungen übersetzt.

Abschließend erklärte FECIF-Vorsitzende Vania Franceschelli:

„Die Veranstaltung am Dienstag hat deutlich gemacht, welche zentrale Rolle Finanzberatung dabei spielt, EU-Bürgerinnen und -Bürger zu befähigen, fundierte finanzielle Entscheidungen zu treffen. Während die Europäische Union ihre Agenda zur Spar- und Investitionsunion vorantreibt, wird der Zugang zu qualitativ hochwertiger, professioneller Beratung – gemeinsam mit einer stärkeren Finanzbildung – entscheidend sein, um Vertrauen zu fördern, die Beteiligung an den Kapitalmärkten zu erhöhen und die langfristige finanzielle Widerstandsfähigkeit in den Mitgliedstaaten zu stärken.“

FECIF bedankt sich bei allen Referenten für ihre Teilnahme und Beiträge – insbesondere bei Andrea Liesenfeld, William Vidonja, Jacopo Borgognone, Andreas Stepnitzka und Josep Soler Albertí – für einen fokussierten und zukunftsorientierten Austausch.

Sehen Sie sich hier die vollständige Aufzeichnung der Veranstaltung an …