Die wandelnde Rolle der Kreditvermittlung in Europa
FECIF-Editorial, September 2026, von Tamás Bércesi, Generalsekretär von FPKOSZ und Mitglied des FECIF-Vorstands
Die Kreditvermittlung ist zu einem bedeutenden Bestandteil der europäischen Privatkreditmärkte geworden, insbesondere im Bereich der Hypothekarkreditfinanzierung. Dennoch unterscheiden sich die nationalen Märkte trotz des gemeinsamen Rahmens der Wohnimmobilienkreditrichtlinie (Mortgage Credit Directive, MCD) und der Verbraucherkreditrichtlinie (Consumer Credit Directive, CCD) weiterhin erheblich hinsichtlich ihrer Marktstruktur, ihres regulatorischen Umfelds und ihres Digitalisierungsgrades.
Vor diesem Hintergrund führte FECIF kürzlich eine Umfrage in zehn europäischen Märkten durch. Ziel war es, ein klareres Bild davon zu gewinnen, wie Kreditvermittlung europaweit funktioniert, und vor allem die gemeinsamen Trends und Herausforderungen hinter den zum Teil sehr unterschiedlichen nationalen Marktstrukturen zu identifizieren.
Zentrale Erkenntnis
Die Ergebnisse vermitteln eine klare Botschaft:
Kreditvermittler sind zu einem festen und zunehmend wichtigen Bestandteil des europäischen Hypothekenvertriebs geworden. Ihre tatsächliche Bedeutung im Markt spiegelt sich jedoch bislang nicht ausreichend im europäischen Regulierungsrahmen wider.
Die künftige EU-Regulierung sollte daher die Rolle von Kreditvermittlern innerhalb des europäischen Systems des Hypothekenvertriebs stärker anerkennen und einen Rahmen schaffen, der es ihnen ermöglicht, diese Funktion effektiv wahrzunehmen. Dies bedeutet keineswegs Abstriche beim Verbraucherschutz. Vielmehr geht es darum, ein hohes Verbraucherschutzniveau mit einer Regulierung zu verbinden, die verhältnismäßig, praktikabel und förderlich für die weitere Digitalisierung ist.
Die Marktdaten, die zu dieser Schlussfolgerung führen, sind bemerkenswert. In mehreren europäischen Märkten wird bereits mehr als die Hälfte aller Hypothekarkredite über Vermittler vertrieben; in zahlreichen weiteren Ländern ist ihr Marktanteil ebenfalls erheblich. Dabei geht es nicht nur um Marktvolumen. Kreditvermittler unterstützen Verbraucher dabei, Finanzierungsalternativen zu vergleichen und sich in einem immer komplexer werdenden Hypothekenprozess zurechtzufinden.
Unterschiedliche Marktstrukturen
Natürlich gibt es keinen einheitlichen europäischen Markt.
Ungebundene und gebundene Kreditvermittler bestehen nebeneinander. Die nationalen Märkte weisen in der Regel eine gemischte Struktur mit größeren und kleineren Marktteilnehmern auf, wobei große Vermittlernetzwerke häufig den Markt dominieren.
Darüber hinaus gewinnen Online-Vergleichsplattformen als Bestandteil der Kreditvertriebslandschaft zunehmend an Bedeutung.
Regulierung: Nicht weniger, sondern bessere Regulierung
Diese Entwicklung wirft eine wichtige regulatorische Frage auf. Die Kreditvermittlung ist bereits heute eine umfassend regulierte Finanzdienstleistung. Lizenzierungs- oder Registrierungspflichten, Qualifikationsanforderungen, Offenlegungspflichten, Berufshaftpflichtversicherungen sowie laufende Aufsicht sind europaweit verbreitet.
Das Problem ist daher nicht ein Mangel an Regulierung. Die eigentliche Herausforderung besteht vielmehr darin, sicherzustellen, dass die Regulierung auch bei zunehmender Komplexität verhältnismäßig und praktisch umsetzbar bleibt.
Dies ist insbesondere deshalb wichtig, weil Compliance-Kosten, Dokumentationsanforderungen, sich überschneidende Verpflichtungen und Unterschiede bei der nationalen Umsetzung erhebliche operative Belastungen verursachen können.
Ein starker Verbraucherschutz muss weiterhin im Mittelpunkt der europäischen Finanzmarktregulierung stehen. Gleichzeitig sollte der Regulierungsrahmen Kreditvermittlern ermöglichen, ihre Aufgaben effizient zu erfüllen.
Vergütungsmodelle
Auch die Vergütung ist Teil dieser Diskussion. Von Kreditinstituten gezahlte, prozentuale Provisionen sind nach wie vor das vorherrschende Vergütungsmodell in Europa. Gesetzliche Provisionsobergrenzen stellen dagegen eher die Ausnahme als die Regel dar. Transparenz und Verbraucherschutz sollten daher mit Rechtssicherheit und einer angemessenen Berücksichtigung der wirtschaftlichen Tragfähigkeit von Vermittlungsdienstleistungen einhergehen.
Digitalisierung als Chance
Die Digitalisierung stellt eine weitere wichtige Herausforderung dar, bietet aber gleichzeitig erhebliche Chancen.
In Europa sind deutliche Fortschritte sichtbar, allerdings verlaufen diese nicht gleichmäßig. Vergleichsprozesse, Vorprüfungen und Kreditanträge werden zunehmend digital abgewickelt. Viele Hypothekenprozesse hängen jedoch noch immer von fragmentierten Systemen und manuellem Informationsaustausch ab. Die nächste Entwicklungsstufe erfordert daher eine bessere Integration zwischen Kreditgebern, Vermittlern und öffentlichen Systemen.
Interoperable Infrastrukturen, geeignete API-Lösungen sowie ein sicherer Zugang zu relevanten öffentlichen Datenbanken könnten:
- den Dokumentationsaufwand reduzieren,
- Bearbeitungszeiten verkürzen und
- die Kundenerfahrung insgesamt verbessern.
Bedeutung für die Weiterentwicklung der MCD (Mortgage Credit Directive, Wohnimmobilien-Kreditrichtlinie)
Diese Fragen gewinnen insbesondere mit Blick auf eine zukünftige Überarbeitung der Wohnimmobilien-Kreditrichtlinie (MCD) an Bedeutung. Die MCD hat eine wichtige gemeinsame Grundlage für die Regulierung von Hypothekarkrediten und den Verbraucherschutz in Europa geschaffen. Der Markt hat sich seit ihrer Einführung jedoch erheblich weiterentwickelt.
Kreditvermittler spielen heute eine deutlich wichtigere Rolle im Hypothekenvertrieb. Gleichzeitig verändert die Digitalisierung die Marktstrukturen, während zwischen den nationalen Märkten weiterhin erhebliche Unterschiede bestehen. Eine künftige Überprüfung der MCD bietet deshalb die Möglichkeit, auf diese Entwicklungen angemessen zu reagieren.
Wichtige Aspekte eines solchen Reformprozesses sollten sein:
- stärkere Harmonisierung dort, wo sie sinnvoll ist,
- verhältnismäßige regulatorische Anforderungen,
- Abbau unnötiger administrativer Belastungen,
- Förderung der weiteren Digitalisierung.
Ein besserer Zugang autorisierter Kreditvermittler zu relevanten öffentlichen Datenbanken und Finanzmarktinfrastrukturen sowie eine stärkere Interoperabilität zwischen Kreditgebern und Vermittlern könnten die Hypothekenprozesse sowohl für die Branche als auch für Verbraucher deutlich effizienter gestalten.
Ausblick
Es gibt kein einheitliches europäisches Modell der Kreditvermittlung, und ein solches ist auch nicht erforderlich. Entscheidend ist vielmehr, dass der fortlaufende Wandel des Marktes richtig verstanden und in der europäischen politischen Diskussion angemessen berücksichtigt wird.
Aus diesem Grund wird sich FECIF dafür einsetzen, dass die Perspektiven und Interessen der Kreditvermittler auf europäischer Ebene stärker Gehör finden. In naher Zukunft beabsichtigt FECIF, Gespräche mit den relevanten EU-Institutionen und anderen Interessenträgern aufzunehmen und die Erfahrungen des Kreditvermittlungssektors stärker in die europäische Regulierungsdebatte einzubringen.
Über den Autor
Tamás Bércesi ist Generalsekretär von FPKOSZ, dem ungarischen Verband unabhängiger Finanzvermittler. Der ausgebildete Jurist und Spezialist für Finanzmarktregulierung und Aufsicht verfügt über rund zwanzig Jahre Erfahrung in den Bereichen Bankwesen, Regulierung
Das FECIF-Editorial können Sie im Original nachlesen: https://www.fecif.eu/editorial